18. Januar – 138. Jahrestag der Gründung des Deutschen Kaiserreichs

18. Januar – 138. Jahrestag der Gründung des Deutschen Kaiserreichs

Am 18. Januar gedenken wir dem 138. Jahrestag der Gründung des Deutschen Kaiserreiches. An diesem Tag im Jahre 1871 wurde der Traum von der nationalen Einheit Deutschlands nach 65 Jahren der Teilung und Kleinstaaterei erfüllt und Wilhelm I. zum ersten Kaiser des Deutschen Reiches bei der Proklamation im Spiegelsaal von Versailles ernannt.

Bayern bekam einen Sonderstatus im Reich. Die Länder Elsaß und Lothringen wurden Bestandteil des neuen Reiches. Erster Reichskanzler wurde Fürst Otto von Bismarck. Die Nationalflagge wurde die schwarz-weiß-rote Flagge, die bis dahin die Flagge des Norddeutschen Bundes gewesen ist.

Rückblick:

1806 – Wiener Kongreß 1815

Im Jahre 1806 zerfiel das Heilige Römische Reich nach zahlreichen Niederlagen gegen Napoleon, aber auch aufgrund der Zerstrittenheit der Deutschen Fürsten untereinander, endgültig. Viele Fürstentümer schlossen sich von nun an dem von Frankreich aufgestellten Rheinbund an.

Die Teilung des Landes und die französischen Besatzer waren der Grund, weshalb bald eine Welle des Patriotismus in allen Teilen Deutschlands entstand und sich überall Freiwilligenkorps bildeten, die sich gegen die Fremdbestimmer wehrten. Am bekanntesten war das Jenaer Lützowkorps, dem auch u.a. die berühmten Dichter Theodor Körner und Joseph v. Eichendorff angehörten.

Mithilfe aller Verbündeten konnten schließlich die Franzosen in der Völkerschlacht bei Leipzig im Oktober 1813 geschlagen werden, der entscheidende Sieg über Napoleons Truppen fand im Juni 1815 in der Schlacht von Waterloo statt.

Wiener Kongreß 1815 – Revolution 1848

Der sogenannte Vormärz (Zeit vom Wiener Kongreß 1815 bis zur Revolution 1848) war geprägt von eingeschränkter Meinungs- und Versammlungsfreiheit und von Zensur. Dissidenten wurden verfolgt und hart bestraft. Die Verhältnisse sind vergleichbar mit denen der ehemaligen DDR.

Auf dem Wiener Kongreß 1815 trafen sich sämtliche Fürsten aus Europa, um die alte Ordnung wiederherzustellen.

Hauptpunkte waren die Legitimität, die Restauration und die Solidarität, die –grob zusammengefaßt- vorsahen, die alten Standes- und Fürstentümer wiederherzustellen und sich gegenseitig militärischen Schutz gegen Revolutionen zuzusichern.

Die Hoffnung auf Wiedervereinigung Deutschlands, wie es das Heilige Römische Reich Deutscher Nation symbolisierte, wurde nicht erfüllt. Es wurde lediglich der kompetenzschwache Deutsche Bund gegründet.
Der erste Protest gegen diese wiedererstarkte Kleinstaaterei zeigte sich im Oktober 1817 auf dem Wartburgfest, auf dem ungefähr 500 Studenten die nationale Einheit Deutschlands beschworen.

Als Reaktion auf die Forderungen des Volkes nach nationaler Einheit und einer freiheitlichen Verfassung wurden im August 1819 die Ministerialkonferenzen in Karlsbad unbemerkt von der Öffentlichkeit abgehalten, deren Ergebnisse eine Reihe von Gesetzen zur Kontrolle und Zensur nationalen Gedankenguts bildeten (Ist ja wie heute, mal sehen, wann Schäuble und Marionetten nach Karlsbad fahren, um ähnliche Beschlüsse zu verfassen. Oder orientieren sich die Gesetze zur Onlineüberwachung, Vorratsdatenspeicherung, etc. etwa an den Karlsbader Beschlüssen?)

Das Volk ließ sich dennoch nicht unterkriegen: Auf dem Hambacher Fest 1832 sammelten sich Deutsche aus allen Landesteilen und allen gesellschaftlichen Schichten, aber auch patriotisch gesinnte Polen und Franzosen, um für die nationale Einheit und Freiheit Deutschlands und anderer Länder Europas zu demonstrieren.

Neben den öffentlichen Protesten gegen die diktatorischen Zustände kamen aber auch eine Reihe von Kritiken in Form von Romanen, Gedichten und Zeitschriften in Umlauf, als wichtigste sind hier Dichter wie Eichendorff, Heine und Büchner (letzterer ist besonders durch die kritische Zeitschrift „Der Hessische Landbote“ oder seine Werke wie der „Woyzeck“ bekannt geworden) zu nennen. Auch wurde 1841 vom im Exil lebenden Dichter und Professor August Heinrich Hoffmann von Fallersleben die Nationalhymne, das „Lied der Deutschen“ geschrieben.

Die Höhepunkte der Forderungen nach Einheit und Freiheit fanden im Jahre 1848 statt, als es zu zahlreichen Barrikadenkämpfen in sämtlichen Regionen Deutschlands kam (vor allem in Baden und Sachsen) und zeitweise Länderparlamente gebildet und Fürsten abgesetzt wurden.
Am 21.März wurden auf Anordnung des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. die Barrikadenkämpfe in Berlin eingestellt, nachdem es zu zahlreichen Toten kam.

Die daraufhin möglichgewordene Nationalversammlung tagte im Mai 1848 in der Frankfurter Paulskirche. Das Scheitern der Nationalversammlung war vielseitig:

Letztendlich führten die großen Meinungsverschiedenheiten unter den Parlamentariern, der noch zu sehr vorhandene Glaube an die „alten Mächte“, sprachliche Schwierigkeiten (Dänen aus Norddeutschland, Polen aus Westpreußen und Franzosen aus Elsaß-Lothringen) und zu guter letzt die Ablehnung der Krone durch den preußischen König dazu, daß kein Nationalstaat und keine Verfassung für Deutschland aufgestellt wurden.
Erstmals in der Frankfurter Paulskirche traten Parteien auf und vier grobe politische Richtungen bildeten sich heraus, die noch bis heute ihre Gültigkeit haben: Sozialisten, Demokraten, Liberale und Konservative.

1849 – 1870

Ab 1850 sollten die Zielstrebungen nach Einheit und Freiheit in erster Linie durch Preußen, insbesondere durch Fürst Otto von Bismarck getragen werden. Von diesem Zeitpunkt an jedoch fand auch die systematische Abkapselung von Deutsch-Österreich statt, da für Bismarck ein geeinter Nationalstaat nur unter preußischer Hegemonie in Frage kam, ein Gedanke, der Deutsch-Österreich völlig zuwider war.
Aufgrund dessen kam es 1866 zum Deutsch-Österreichischen Krieg, den Preußen gewann.

Deutschland formierte sich neu: es entstanden der Norddeutsche Bund (Deutschland nördlich des Mains) 1867, die süddeutschen Partikularstaaten und Deutsch-Österreich. Der Norddeutsche Bund war für Bismarck nur eine Interimslösung.

Die süddeutschen Staaten (insbesondere Bayern) ließen sich nicht ohne Weiteres auf ein Gesamtdeutschland mit Preußen als Führungsmacht ein, dessen war sich Bismarck bewußt.

Der Deutsch-Französische Krieg 1870/1871

Frankreich sah sich durch die Ergebnisse des Deutsch-Österreichischen Krieges und dem damit verbundenen Erstarken Preußens in seiner Lage und Sicherheit in Europa bedroht und probierte stets, Österreich oder die süddeutschen Staaten für eine Allianz gegen Preußen zu gewinnen. Diese Neider entgingen auch Bismarck nicht und er erkannte, daß Frankreich eine potentielle Gefahr für die Vereinigung Deutschlands darstellte.

Im Jahre 1868 wurde der Konflikt zwischen Preußen und Frankreich auf den Höhepunkt gebracht: die spanische Thronfolge sah gegebenenfalls den deutschen Prinzen Leopold von Hohenzollern-Sigmaringen vor, wogegen sich die Franzosen vehement wehrten und in diesem Falle mit Krieg drohten. Darauf hin zogen der König von Preußen, Wilhelm I., und Prinz Leopold die Kandidatur auf die Thronfolge zurück.

Frankreich war dies nicht genug und entsandte seinen Botschafter Benedetti nach Bad Ems, dem Kurort des preußischen Königs, um von diesem einen schriftlichen, endgültigen Thronverzicht zu erhalten. Die Antwort jedoch erbrachte Bismarck, bekannt als die Emser Depesche.
Als diese in Frankreich veröffentlicht wurde, erklärte Napoleon III. Preußen den Krieg.

Bismarck appellierte an das Nationalgefühl der Bayern und Badenser, welche sich daraufhin Preußen anschlossen. Nach fast einem Jahr Krieg gewannen die deutschen Truppen die entscheidende Schlacht in Sedan und der Wiedervereinigung aller Deutschen Staaten stand nichts mehr im Wege.